83-85 Fortsetzung

1983. Erst mal wurde meine Tochter Lisa geboren im Januar. Das war schon ein besonderes Ereignis. Aus den beiden Bedeckungen fiel Sair (Sissyn x Kapello), ein recht typvoller Fuchs und ein Wallach von Appanatschi, dessen Name ich leider vergessen habe. Schande!
Sissyn wurde im gleichen Jahr wieder gedeckt von Kapello und Appanatschi wieder von  Hamasa Kadir. Da wir mit beiden Stuten nicht reiten konnten, kaufte ich ein westfälisches Kleinpferd, Nemo, ein zwölf Jahre alter Schimmelwallach. Nemo war nicht größer als etwa 1,48 aber unter dem Sattel eine absolut zuverlässige Kanone. Er hatte trotz seiner geringen Größe einen wunderbaren Rahmen und war völlig unproblematisch, sowohl an der Hand als auch unter dem Sattel. Ich dachte mir damals, wenn ich Ihnen als erstes gekauft hätte hätte ich mir nie Araber gekauft.
Nemo war insgesamt etwa knapp zehn Jahre bei uns und wurde anschließend an eine sehr gute Bekannte weitergegeben, die obwohl sie schon lange Jahre Pferde hatte, mit Nemo den absoluten Traumpartner gefunden hatte.
Aus der Bedeckung von 1983 wurden 84 wieder zwei Fohlen geboren, zum einen aus der Sissyn die Stute Sza Sza, die später als Dreijährige weiter verkauft wurde an Christian und die Stute Tao Tao, die bis zu ihrem Tod in hohem Alter von 29 Jahren zum wichtigsten Pferd meiner heranwachsenden Tochter werden sollte.
Anfang der Achtzigerjahre wurde Westernriding gerade so bisschen modern. Die Angebote der traditionellen Reitschulen waren zu der Zeit nicht den Anforderungen der aufkommenden Freizeitreiterei entsprechend. Man suchte sein Glück in alternativen Reitweisen, so zum Beispiel im Westernriding. Mit Nemo hatte ich ein ideales Pferd, welches allen Ansprüchen des Freizeitreitens genügte. Dummerweise genügten meine eigenen Reitkünste nicht, die Möglichkeiten von Nemo auszureizen. Er konnte praktisch alles. Meine Reitausbildung bis dahin, wenn man überhaupt von einer Ausbildung sprechen möchte, bestand nur im Trainieren von Rennpferden. Hatte natürlich damit nichts mit feiner Reiterei zu tun.
Mittlerweile war unsere kleine Familie, Gaby, Lisa und ich auf einen Aussiedlerhof gezogen und konnten unseren Pferden ideale Bedingungen bieten. Es war eine recht abwechslungsreiche wenn nicht sogar wilde Zeit. Mehrere Freunde und Bekannte bekamen auch Pferde und so hatten wir recht schnell rund zehn Pferde auf unserem Hof. Zu den bereits erwähnten Pferden kamen neue Fohlen hinzu.
Frau Schenkel, bei der wir die beiden Stuten seinerzeit gekauft hatten, hatte zu der Zeit, da ihr Hengst Simbel gestorben war, einen anderen Hengst ausgeliehen. Es war der Emin Sohn Pharon
aus der Psyche, beide Elternteile väterlicherseits in der Ofir Linie gezogen. Pharon war 1982 und 1983 erfolgreichstes arabisches Rennpferd in Europa. Er entsprach nicht direkt dem Typ den ich mir derzeit unter einem Araber vorgestellt hatte, weil in den achtzigern wohl eher der Showtyp im Vordergrund stand und weniger der Reittyp.Er war durch und durch Sportker, braun, muskulös und selbstbewußt. Aber Frau Schenkel sagte, dass Pharon wunderbar zu Sissyn passen würde. Ich glaubte ihr und wie sich später herausstellen sollte, hatte sie damit völlig recht. Appanatschi bekam keine weiteren Fohlen, zog dann um zu meiner Tochter und wurde dort rund um die Uhr von Kindern belustigt. Lisa sollte sie später ganz alleine zureiten, was sie auch mitunter mit viel Mühe schaffte. Lisa bekam für sich und ihre Schwester Nina ein Shetland Pony mit dazugehöriger Kutsche, genannt Susi. Da ich keine Ahnung von Ponys hatte, hatte ich Susi als etwa acht- neunjährige gekauft, was sich später als übler Trugschluss erwies hahaha. Susi war wahrscheinlich schon steinalt, als ich sie kaufte. Aber sie war ein wunderbares Kinder Reitpony. Susy starb irgendwann einen friedvollen Tod.
1985 wurde der Hengst Seoul geboren. Pharon war mittlerweile nach Niederlande verkauft worden, wo sich seine Spur verlor. Er war wohl noch ein zwei Jahre im Springsport sehr erfolgreich, aber dann verschwand er einfach von der Bildfläche und ist nie mehr irgendwo aufgetaucht. Ich hatte später mal versucht, ihn aufzuspüren, aber es rankten sich nur wilde Gerüchte um sein Verschwinden. Schade.
Seoul wuchs heran und entwickelte sich zu einem kräftigen muskulösen Pferd, gar nicht so wie ich mir einen Araber vorgestellt hatte. Aber ich hatte ja noch Sair.
Auf der Suche nach einem neuen Hengst für Sissyn stieß ich auf den letzten Ghazal Sohn, Ibn Ghazal. Dieses Pferd hatte eine beeindruckende Ausstrahlung, wie man es von alten Bildern des Hengstes Ghazal her kennt. Aus dieser Anpaarung wurde eine wunderbare Stute geboren, Sudane, 1986.

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